26. Jun

Die Gelegenheit beim Schopf gepackt

Ronald Pröll sichert sich bei der U18 in Oberwart seinen zweiten Meistertitel. Lisa Peherstorfer holt Silber, Johanna Leitner "Blech".

Ronald Pröll ist zwar erst 15 Jahre alt, kämpfte bei seinem Österreichischen U18-Titel am Samstag in Oberwart aber wie ein alter Hase.

 

Der Helfenberger ließ seinem Finalgegner Samuel Lamm (Leibnitz) ähnlich wenig Chance wie den beiden Vorrundengegnern. Griffdominanz lautete der Trumpf Prölls, den er gekonnt ausspielte. Lamm landete letztlich bei einem linken Tai-otoshi Ippon auf dem Rücken.

 

Für Pröll war sein zweiter Österreichischer Meistertitel nach jenem in der U16 vor zwei Jahren. Gleich beim ersten nationalen Nachwuchsturnier des Jahres packte er die Gelegenheit beim Schopf - und das auch fast buchstäblich: Lisa Peherstorfer hatte seine Mähne am Vorabend in eine geflochtene Kampffrisur gestriegelt. "40 Minuten hat's gedauert", sagte die Niederwaldkirchnerin. Beim Frühstück war Pröll noch gewillt gewesen, damit auf die Matte zu steigen. Letztlich unterzog er sich aber sogar noch einer Haarwäsche. "Die war notwendig, weil die Haare nach dem Aufmachen in alle Richtungen weggestanden sind", verriet Pröll schmunzelnd.

 

Erstes Nachwuchs-Podest für Peherstorfer

Peherstorfer streifte mit Silber ihre erste Nachwuchs-ÖM-Medaille ein. Bisher war die 16-Jährige einmal auf einem Meisterpodest gestanden - und das war gleich bei den Erwachsenen im Vorjahr (2.). Am Samstag in Oberwart zeigte unsere 44-kg-Amazone zunächst ihre technische Variabilität. Die vier Waza-ari-Wertungen in ihren Kämpfen gegen Julia Peutler (Leibnitz) und Emma Landrichinger (Burgkirchen) machte die Nationalteamkämpferin mit drei verschiedenen Wurftechniken sowie einem Festhalter.

 

Im Entscheidungskampf gegen ihre langjährige Kontrahentin Tanzila Muntsurova (Reichraming) konnte Peherstorfer das dann nicht mehr zeigen. "Sie steht sehr stabil", sagte Peherstorfer, die über die Zeit mit Waza-ari (Soto-maki-komi) verlor.

 

Für die dritte UJZ'lerin am ersten Oberwart-Tag, Johanne Leitner, schaute bis 57 kg ein fünfter Platz heraus. Nach Freilos, Niederlage gegen Helena Rottenhofer (Henndorf) und einem recht souveränen Sieg über Eva Stadler (Burgkirchen) unterlag die Niederwaldkirchnerin um Bronze Lisa Betz (Samurai) mit zwei Waza-aris.

 

Couragiert: Alle drei versuchten sich am Sonntag gleich nochmal, dann in der U21. Dass nicht mehr UJZ'ler in Oberwart auf die Matte gingen, lag unter andem an den Verletzungen von Mathilda Rittsteiger, Leonie Eder, Emil Füreder und Michael Pröll.

 

Wenn sich der Staub legt

Diese U18-ÖM ließ erstmals das zu Tage treten, was seit dem Frühjahr 2020 befürchtet wird: Gerade einmal 100 Starter gab es für diese Meisterschaft. Ein-hundert.

 

Ist das nun das "Long-Covid" des österreichischen Judosports?

 

Eine Frage, Inhalt vieler Gespräche rund um die drei Oberwarter Kampfmatten. Wenn man sich umhörte, ging die Antwort darauf in Richtung ja. Alleine schon der Zahlen wegen. Zum Vergleich: Die U18-ÖM im Jänner 2020 zählte haarscharf vor Pandemiebeginn im fernen Feldkirch - in Vorarlberg sind die Starterzahlen traditionell niedriger - 165 Starter. Der Rückgang ist eklatant.

 

Relativierend - jedoch nicht beruhigend - wirkt der Aspekt, dass nun in Oberwart großteils die Leistungsträger am Start waren. Also im wesentlichen jene Sportler, die in den Leistungszentren schon seit mehreren Monaten wieder trainieren.

 

Ein ähnliches Bild zeichnete auch zuletzt eine Umfrage unter den OÖ-Klubs bei einer jüngst durchgeführten Sitzung. Für viele Vereine kommen die jetzigen Öffnungen ein wenig gar knapp vor den Sommerferien. Die Regierung mag Judo-Training zwar erlauben, doch Gemeinden, Schulen oder gar Hallenwarte, die für feriale Öffnungen nicht zu haben sind, legen sich in der Praxis machmal quer.

 

Der Staub hat sich womöglich noch gar nicht gelegt.



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