12. May

Mehrere Nachbarländer erlauben Judo-Training

In Tschechien, Slowenien und Teilen Ungarns darf ab dieser Woche wieder Judo trainiert werden. Ein Rundblick, wie andere Länder jetzt mit Judo umgehen:

Allmählich erwacht in Österreich das öffentliche Leben aus der Corona-Starre. Dass dabei der Sport nicht oberste Priorität genießt, ist nachvollziehbar und angesichts der Ungewissheit auch schmerzlich. 

 

Wie viel Tempo beim Öffnen ist angebracht?

 

Dass es auf diese zentrale Frage nicht die eine, richtige Antwort gibt, liegt auf der Hand. Österreichs Sportminister Werner Kogler wollte sich in Sachen Judo bzw. Kontaktsport bisher noch nicht festlegen. Womöglich müsse sogar auf einen Impfstoff gewartet werden.

 

Andere Länder warten nicht darauf. In Tschechien, Slowenien und Teilen Ungarns ist bereits jetzt Judo-Training wieder möglich. Folgend ein Rundblick über eine Reihe an Staaten*:

 

(Relative Infektionszahlen für Österreich: 1172 nachgewiesene Corona-Infizierte pro Million Einwohner/69 Corona-Tote pro Million Einwohner)**


 


Tschechien: Normalität mit kleinen Abstrichen

 

Unsere nördlichen Nachbarn stehen seit dieser Woche wieder in den Dojos auf der Matte. Berühren ist erlaubt, sogar Randoris mit wechselnden Partnern sind es. Nichtsdestoweniger gibt es Richtlinien: Es dürfen maximal hundert Leute an einer Einheit teilnehmen. Duschen und Garderoben bleiben gesperrt und vor jedem Training muss bei jedem Teilnehmer die Temperatur gemessen werden sowie sich jeder die Hände desinfizieren. Wettkämpfe sind auf alle Fälle noch bis Ende Juni ausgesetzt.

 

(relative Coronazahlen: 766 nachgewiesene Corona-Infizierte pro Million Einwohner/26 Corona-Tote pro Million Einwohner)



Deutschland: Einer prescht vor

 

Vergangene Woche ließ das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) mit der Meldung aufhorchen, dass dort ab Ende Mai Kontaktsport in geschlossenen Räumen wieder erlaubt ist. Gerade NRW-Ministerpräsident Armin Laschet drückt in Sachen Öffnungen auf das Gaspedal, obwohl sich kürzlich in einem einzigen fleischverarbeitenden Betrieb in NRW mehr als hundert Menschen infizierten. Ob des föderalen Systems (jedes Bundesland entscheidet für sich) gibt es in Deutschland keine bundesweite Corona-Strategie im Sport. Der Deutsche Judo-Bund (DJB) erarbeitete zuletzt "Übergangsregeln für den Wiedereinstieg in den Vereinssport". Im uns nahen Bayern ist die Lage ungewiss. Szene-Kenner hoffen in den nächsten zwei Wochen auf Konkretisierungen, befürchten gleichzeitig, dass es bis zum Herbst keinen normalen Judobetrieb geben werde.

 

 (relative Coronazahlen: 2065/92)  



Ungarn: Judo ist teilweise erlaubt

 

Auch in Ungarn gibt es keinen einheitlichen Kurs. Die regionalen Unterschiede sind teils recht groß. Während in manchen Städten erst seit dieser Woche draußen mit Sicherheitsabstand sowie Masken und Handschuhen kontaktlos trainiert werden darf, darf in anderen Städten bereits ein reguläres Judo-Training stattfinden. Die großen Trainingszentren sind gesperrt, was bedeutet, dass die Top-Athleten – wenn dann überhaupt – in ihren Klubs trainieren.

 

(relative Coronazahlen: 343/44)


 
Dänemark: Demnächst Randoris im Zelt?

 

 

Dänemarks Regierung hat versucht, möglichst alle Bereiche des gesellschaftlichen Leben in geringes, mittleres, hohes und sehr hohes Ansteckungsrisiko zu unterteilen. Daraus wurde für die nunmehrige Öffnung ein Vier-Phasen-Plan abgeleitet. Je höher das Ansteckungsrisiko, desto später die Öffnung. Mit 1. Juni ist der Übergang in Phase 3 vorgesehen. Das bedeutet konkret, dass Kontaktsportarten an frischer Luft wieder erlaubt sind. Somit wird dann im Freien ein reguläres Judo-Training möglich sein.

 

„Wir überlegen, vielleicht ein Zelt anzukaufen, um darin Matten aufzulegen“, schildert Teamchef Peter Scharinger (rechts im Bild mit Laerke Olsen und Emilie Sook). Das sei aber noch reine Spekulation, erst muss die Regierung die konkreten Richtlinien für die neue Phase vorstellen. Die vierte Phase – die dann auch Judo in der Halle erlaubt – wird für den August anvisiert. Das Tempo bei der Umsetzung des Fahrplans hängt allerdings von der Entwicklung der Infiziertenzahlen ab.

 

(relative Coronazahlen: 1828/91)


 
 
Polen: Ebenfalls ein Phasenplan

 

Ähnlich wie Dänemark unterteilt auch Polen den Covid-Kampf in Phasen und befindet sich derzeit in Phase 2. Judo soll aber erst in Phase 4 erlaubt sein. Momentan darf nur kontaktlos, an der frischen Luft mit maximal sechs Sportlern plus einem Coach trainiert werden. Auch dem Nationalteam bleibt derzeit nur diese Option. Ende Mai werden zwei der insgesamt fünf nationalen Sportstützpunkte unter zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen wieder aufsperren, allerdings noch nicht für Judoka.

 

(relative Coronazahlen: 447/22)



Italien: Noch ein weiter Weg

 

Im von Corona schwer gebeutelten Italien befindet man sich ebenso in der zweiten Öffnungsphase eines mehrstufigen Plans. Seit 4. Mai ist es Top-Athleten gestattet, in den Sporthallen zu trainieren. Allerdings kontaktlos, mit Abstand und weiteren Sicherheitsmaßnahmen. Ab 18. Mai könnte es neue Richtlinien geben. Italiens Verband arbeitet derweil ein „Betriebshandbuch“ aus – quasi eine Anleitung für Judo unter Corona-Bedingungen. Die Klubs versuchen derzeit mittels Internet-Trainings, ihre Nachwuchssportler zu halten, um so den Ausfall ganzer Jahrgänge ("Generationsvakuum“) zu verhindern.

 

(relative Coronazahlen: 3659/511)


 
Niederlande: Kinder unter 12 Jahren dürfen Judo trainieren

 

Bis 1. September sind in den Niederlanden alle Klubs und Fitnessstudios geschlossen sowie alle Turniere abgesagt. Nichtsdestoweniger hat zuletzt eine Lobby für die Bedeutung von Sport und Gesundheit mobil gemacht und darauf hingewiesen, dass die Klubs bereit sind, diese wichtige Aufgabe zu schultern. Obwohl für Judo als Kontaktsport eine Wiederöffnung nicht so einfach ist, ist nun zumindest ein Outdoor-Training erlaubt, allerdings kontaktlos mit eineinhalb Metern Abstand. Ausnahme: Da man davon ausgeht, dass für Kinder unter zwölf Jahren Corona nicht hoch ansteckend ist, gibt es für Unter-Zwölfjährige für draußen keinerlei Einschränkungen. Das bedeutet, dass Unter-Zwölfjährige in den Niederlanden unter freiem Himmel regulär Judo trainieren dürfen. Siehe Video unten.

 

(relative Coronazahlen: 2509/322)




Slowenien: Fast der Gegenentwurf zur Niederlande

 

Nach fast zweimonatiger Sperre darf in Slowenien seit diesem Montag wieder Judo trainiert werden. Und das sogar in der Halle, allerdings unter Auflagen: Erlaubt ist Judo nur für registrierte Kämpfer der U12 und älter. Vor jeder Einheit muss die Tatami desinfiziert werden. Garderoben und Duschen bleiben gesperrt. 
 

Coach Miro Bilic (der mit Bart) von unserem Partnerklub Bezigrad beim Trainingsauftakt diese Woche

Die Athleten mussten zu Beginn jenen Trainingspartner wählen, mit dem sie bis zum Ende der Quarantäne trainieren (siehe Foto rechts). Ein Durchwechseln ist untersagt, so zumindest die Vorgabe.

 

Außerdem ist im Verhältnis pro zehn Quadratmeter Hallenfläche nur jeweils ein Athlet erlaubt. Bislang ist das Training nur privaten Dojos gestattet, Schulhallen bleiben gesperrt.

 

(relative Coronazahlen: 703/49)



Kroatien: Judo-Training in Kleingruppen

 

Seit dieser Woche ist in Kroatien Sport an öffentlichen Plätzen erlaubt. Fitnesstudios sperren ab Mittwoch (13.5.) wieder auf. Bei allem pocht die Regierung einerseits auf die Einhaltung des Sicherheitsabstandes, erlaubt andererseits aber auch Kontaktsport. Bei Letzterem lautet die Vorgabe, dass in Kleingruppen (bis zu 10 Personen) und immer mit denselben Personen trainiert werden muss.

 

(relative Coronazahlen: 538/22)




Schweiz: Ähnlich wie Österreich


 

In der Schweiz wird in Sachen Judo ähnlich operiert wie hierzulande (im Detail). Der wohl wesentlichste Unterschied ist, dass die Eidgenossen sehr wohl in die Halle dürfen. Allerdings nur zu fünft (auch mehr, wenn die Halle eine gewisse Größe überschreitet). Da auch in der Schweiz unter anderem Mindestabstand das oberste Gebot ist, ist an reguläres Judo bis auf weiteres nicht zu denken. Am 11. Juni soll der nächste Lockerungsschritt erfolgen. Dieser dürfte sich Einschätzungen zufolge auf die erlaubte Gruppengröße beziehen.

 

(relative Coronazahlen: 3510/216)



Großbritannien: Zu rechnen ist mit Monaten, nicht Wochen

 

Egal ob Spitzen- oder Breitensportler - der gesamte Sport im Vereinigten Königreich steht still. British Judo erarbeitet gerade einen Fünf-Stufen-Plan, wie eine schrittweise Inbetriebnahme des nationalen Judo-Stützpunktes in Walsall aussehen könnte. „Ich erwarte nicht, dass wir vor Juli zum Judo zurückkehren werden“, sagt Sportdirektor Nigel Donohue. Es sei keine Frage von Wochen, vielmehr von Monaten. Der nationale Judo-Stützpunkt werde erst eröffnet, wenn er für Athleten und Personal sicher ist. Daraus lässt sich ableiten, dass sich die britischen Breitensportler in noch größerer Geduld üben werden müssen.

 

(relative Coronazahlen: 3336/482)



Georgien: Auf Nummer sicher

 

In Georgien sind die Coronazahlen im Vergleich sehr niedrig. Die Maßnahmen dort sind/waren sehr restriktiv. Ganze Städte wurden abgeriegelt, mit dem Auto zu fahren, war dann vielerorts untersagt worden. Zu Ostern soll das sogar für das ganze Land gegolten haben.

 

Dementsprechend rigoros sind auch die Beschränkungen für den Judo-Sport. Alle Klubs und Stützpunkte sind geschlossen. Training ist nur individuell – also Ausdauer, Kraft,… - möglich. Wie Lockerungen bzw. ein Fahrplan aussehen, ist unklar. Anlass zur Hoffnung macht, dass der Flughafen in Tiflis am 1. Juli wieder geöffnet werden soll.

 

(relative Coronazahlen: 161/3)



USA: Dojo-Shutdown

 

Das Land mit den meisten bestätigten Infizierten hat quer durch alle Bundesstaaten alle Judo-Dojos und Gyms geschlossen. Ein Ende ist ungewiss. Zumindest der wirtschaftliche Sektor soll wieder möglichst geöffnet werden. Das wünscht sich jedenfalls die Regierungsspitze.

(relative Coronazahlen: 4244/251)


 


Japan: Nationalteam und Unis ruhen

 

Selbst im Mutterland des Judo herrscht derzeit ein Judo-Verbot. Dieses gilt auch für das Nationalteam und die renommierten Budo-Universitäten. Stand jetzt ist geplant, im Juni in einen geregelten Judo-Betrieb zurückzukehren, allerdings nur unter Auflagen. Sollte die Anzahl der Infizierten jedoch steigen, ist eine Verlängerung der Maßnahmen wahrscheinlich.

 

(relative Coronazahlen: 125/5)


Eine Fortsetzung dieser Bestandsaufnahme (Frankreich, Spanien, Slowakei,...) ist möglich. Da die Herangehensweise in Schweden praktisch deckungsgleich mit der österreichischen ist, wurde es nicht als eigener Punkt angeführt.

 

Zu den Quellen:

 

*.... Die Informationen über die einzelnen Länder stammen großteils von aktiven Judokas sowie Trainern oder Funktionären aus den jeweiligen Staaten. 

 

**.... Die Infiziertenzahlen stammen von https://www.worldometers.info/ (abgerufen am 12.5. abends)


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