17. Nov

So läuft das Leben in der Judo-Blase

Daniel Allerstorfer bestreitet am Samstag mit der EM in Prag seinen Jahreshöhepunkt. Der Aufwand dafür ist enorm.

Am Montag war es für Daniel Allerstorfer neuerlich soweit: Coronatest.

 

Während dies für viele Österreicher Neuland ist, hat der Petringer (Bild oben von Oliver Sellner/ÖJV) allmählich schon Routine darin. Mehr als 30 seien es schon gewesen, die der 27-Jährige in den vergangenen Wochen absolvierte. Das Wichtigste: Sie alle waren negativ.

 

Für die von Donnerstag bis Samstag laufende Europameisterschaften in Prag muss Allerstorfer binnen weniger Tage vier negative Tests durchlaufen. Zwei zuhause und zwei dann vor Ort in Prag. "Die EM gibt uns die Chance, dieses Jahr noch gut abzuschließen", klingt eine Portion Dankbarkeit durch Allerstorfers Worte.

 

Es ist ein aufwändiges Prozedere, das sich die internationalen Judo-Verbände ausgedacht haben, um Weltklasse-Turniere trotz der alles umgreifenden Pandemie zu ermöglichen. Ein Blick in die am Turnierort geschaffenen, sogenannten Blasen macht deutlich, wie groß der Aufwand und streng die Bedingungen tatsächlich sind:

 

Der Supermarkt als Falle

Zuletzt beim Grand Slam in Budapest operierten die Organisatoren im Teamhotel mit roten und grünen Armbänder für die Sportler und Betreuer. Rot bedeutete: noch keine zwei negative Ergebnisse vorhanden. Grün: zwei negative Tests liegen vor.

 

Letzteres ermöglichte es zumindest, sich außerhalb des eigenen Zimmers, aber innerhalb der Blase - also Hotel und Halle - zu bewegen. Was geschieht, wer sich darüber hinauswagt, wurde in Budapest ebenso deutlich, als Mitglieder der griechischen Delegation vom Turnier ausgeschlossen wurden, weil sie einen Supermarkt besuchten.

 

Absurdität mit Signalwirkung

Selbst für den Umgang zwischen den Nationalteams wird beschränkt. "Wir sind dazu angehalten, niemand von anderen Nationen zu grüßen, mit ihnen abzuklatschen oder zu umarmen", verrät Allerstorfer. Da es wegen der Macht der Gewohnheit dennoch vorkommt, erinnern Securities daran.

 

Ähnliches gilt auf der Matte, wo nach dem Kampfende das Shakehands verboten wurde. Für sich genommen eine völlig absurde Beschränkung, schließlich sind sich die Kontrahenten im vorangegangenen Kampf wesentlich nähergekommen als beim Handgeben. "Sinn macht das an und für sich keinen, aber es ist dazu da, ein Zeichen zu setzen, auf die besondere Situation hinzuweisen", erklärt Allerstorfer, laut dem diese Intention aufgeht. "Das alles erzeugt eine gewisse Stimmung, in der dir klar ist, worum es jetzt hier geht."

 

Fahrgemeinschaft nach Prag

Die Österreicher sind beim zarten Versuch der internationalen Verbände, Weltklasse-Turniere zu ermöglichen, gewissermaßen auf die Butterseite gefallen. Zuletzt der Grand Slam in Budapest, jetzt die EM in Prag - beides ist für das ÖJV-Team komfortabel mit dem Auto zu erreichen. "Es ist schon angenehm, dieser Tage nicht in einen Flieger steigen zu müssen", bestätigt Allerstorfer. Selbst für die Anreise im PKW hat der ÖJV Vorsichtsmaßnahmen getroffen. "Wir dürfen maximal zu zweit in einem Auto sitzen, und die Betreuer fahren einzeln", erklärt der Olympiastarter von Rio 2016, der mit seinem Schwergewichtskollegen Stephan Hegyi eine Fahrgemeinschaft bilden wird.

 

Sich nach dem jeweils ersten Corona-Test für die weiteren Tage in Selbstquarantäne zu begeben, fällt Allerstorfer nicht schwer. Das Prozedere hat er während der vergangenen Monate schon ein gutes Dutzend Mal durchlaufen. Fünf Trainingslager in St. Johann, drei in Mittersill sowie eines in Wien, dazu noch Budapest und jetzt eben Prag - und jedesmal galt es, sich davor sicherheitshalber zurückzuziehen.

 

EM zählt nur bedingt zur Olympia-Quali

An der Zielsetzung ändern all diese besonderen Umstände wenig. "In dem Moment, in dem du auf die Matte gehst, muss dir alles, was da heuer rundherum war, wurscht sein. Das musst du ausblenden, weil für uns ist das unser Jahreshöhepunkt", sagt Allerstorfer, dessen Klasse über 100 kg am Samstag auf dem Programm steht.

 

Das EM-Ergebnis zählt übrigens nur bedingt zur Olympia-Qualifikation. Was das bedeutet? In den Qualifikationsrichtlinien ist festgehalten, dass nur zwei kontinentale Meisterschaften einfließen dürfen. Mit der EM von 2019, dieser nun in Prag sowie jener, welche die EJU nächstes Frühjahr austragen will, wären das aber drei. Daher soll bei jedem Athleten das besser EM-Resultat von 2020 oder eben 2021 zählen.

 

Nach den verletzungsbedingten Absagen von Bernadette Graf, Mathias Czizsek und Johannes Pacher zählt das ÖJV-Team in Prag zehn Athleten:

 

Frauen (3): -57 kg: Sabrina Filzmoser (LZ Multikraft Wels/OÖ), -63: Magdalena Krssakova (JC Sirvan/W), -70: Michaela Polleres (JC Wimpassing/NÖ)

 

Männer (7): -73: Lukas Reiter (JC Wimpassing/NÖ), -81: Shamil und Wachid Borchashvili (beide LZ Multikraft Wels/OÖ), -90: Marko Bubanja (VB Galaxy Tigers/W), -100: Aaron Fara (JC Wimpassing/NÖ), +100: Daniel Allerstorfer (UJZ Mühlviertel/OÖ), Stephan Hegyi (S.C. Hakoah/W).



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