23. Sep

Ein Feuerwerk abgebrannt

Bundesliga: UJZ kämpft sich im Hexenkessel von Hellmonsödt in einen Rausch und schlägt Wimpassing 11:3. Grandioses Comeback von Simon Hofer.

"Wir wollen den Simon sehen, wir wollen den Simon sehen...!", skandierten die Hellmonsödter Fußballer lautstark, als das 11:3 über Tabellenführer Wimpassing schon längst vorbei war.

 

Simon Hofer, der zu diesem Zeitpunkt praktisch nackt in der Garderobe stand, folgte den Rufen, warf sich rasch in seine Unterhose und präsentierte sich noch einmal den Fans, die den 27-jährigen Lokalmatadoren feierten.


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Und das vollkommen zu Recht.

 

Hofer, der in Hellmonsödt einst die ersten Gehversuche auf der Judomatte machte, war einer der großen Matchwinner. Völlig überraschend war vor allem sein Sieg im ersten Durchgang über den amtierenden EM-Siebten Lukas Reiter, den er in der Verlängerung auskonterte. Reiter, der angeschlagen war, kämpfte zwar bis 81 kg - also nicht in seiner angestammten Kategorie bis 73 kg - doch auch Hofer war eigentlich viel zu leicht für diese Klasse gewesen. "Bei der Abwaage hatte ich um die 75 kg", verriet Hofer.

 

In Durchgang zwei musste er sich gegen Johann Schmid erst aus einem Haltegriff befreien, um ihn dann später abhebeln zu können.

 

Comeback nach blutigem Unfall

 

Dabei war sich Hofer angesichts des starken UJZ-Kaders bis 73 kg und des Engagements des EM-Dritten bis 81 kg Dominik Druzeta (CRO/der im zweiten Durchgang bis 90 kg dem Wimpassinger "Legionärskiller" Florian Wallner mit Ippon unterlag) vor wenigen Tagen noch recht unsicher gewesen, ob er gegen die Niederösterreicher überhaupt zum Einsatz kommt.

 

Heuer war Hofer in der Bundesliga nämlich noch gar nie auf der Matte gestanden, was aber nicht an seinem Leistungsvermögen, sondern an einem Unfall lag. Knapp vor dem Ligastart im März war er auf einer Treppe ins Stolpern geraten, woraufhin er das Glas einer sich unterhalb befindenden Tür mit dem Kopf durchstieß.

Links: So sah Hofers Nase nach dem Unfall im März aus - Rechts: So jubelte er gegen Wimpassing

Ein Scherben zog ihm einen tiefen Schnitt auf die linke Seite der Nase - nur einen Fingerbreit (!) neben dem Auge. Es blutete wild. Wegen der heiklen Nähte war die Frühjahrssaison für den Medizinstudenten gelaufen.

 

Am Samstag in Hellmonsödt erinnerte nur noch die Narbe an den Vorfall. Diese wird ihm wohl länger bleiben, als ein unrühmlicher Spitzname von ihm. "Als wir vor vier Jahren auch in Hellmonsödt Bundesliga gekämpft haben, habe ich einmal sofort mit Ippon verloren, da haben mich einige meiner Freunde hier aus der Gegend danach mit 'Fünf-Sekunden-Simon' aufgezogen", erzählt Hofer schmunzelnd. Damit dürfte nun Schluss sein.

 

Auf das Final Four Kurs genommen

 

Dass es gegen den Vizemeister derartig klar ausging, damit war in den kühnsten Träumen nicht zu rechnen. "Das Ergebnis spiegelt das Kräfteverhältnis nicht wider", wusste Trainer Pepi Reiter, dass einige Faktoren am Samstag einfach zusammengekommen waren, die letztlich den Seinigen in die Hände spielten.

 

Ein Grund war, dass für Wimpassing Schwergewichtslegionär Barna Bor (HUN) diesmal nicht verfügbar war. Daniel Allerstorfer wird das nicht gestört haben, schließlich war für den Petringer nach seinem siebten Platz bei der WM Erholung auf dem Programm gestanden. Zum quasi Wiedereinstieg kamen da die beiden Partien gegen Andreas Mruk gerade richtig, die er beide am Boden für sich entschied.

 

Stattdessen setzten die Niederösterreicher gegen den Rekordmeister auf die Dienste der beiden Tschechen David Pulkrabek und David Klammert. Während Ersterer bis 60 kg gegen Ramazan Isaev zweimal stark aufkämpfte, gab es für Letzteren gegen Schwedenbomber Marcus Nyman nichts zu erben. 

 

Ein anderer Grund war die grandiose Atmosphäre. Angeheizt von den angesprochenen Hellmonsödter Fußballern verwandelte sich Halle in einen Hexenkessel, in dem UJZ'ler über sich hinauswuchsen. Tobias Weixelbaumer (zwei Siege bis 66 gegen Martin Morgenbesser) und Driton Shala (zwei Siege bis 73 gegen Markus Hirzberger) brachten die Stimmung regelrecht zum Kochen, ehe dann Simon Hofer - also der Local Hero - jeweils noch einen draufsetzte. Standing Ovations waren die Folge.

 

Ein Judofest, das sich für die UJZ'ler in der Tabelle auszahlt. Durch das 11:3 über den (nun nicht mehr) Tabellenführer rückt das Final Four am 16. Dezember im Gmunden in greifbare Nähe. Zumindest ein Punkt am letzten Kampftag am 4. November bei Aufsteiger Dynamic One ist dafür aber wohl noch notwendig.

 

Ein Zeichen der Wertschätzung

 

Die grandiose Veranstaltung fand unter anderem auch bei Hellmonsödts Bürgermeister Jürgen Wiederstein viel Lob. Der Sportverein Hellmonsödt feiert heuer sein 70-jähriges Bestehen und die Judo-Sektion ihr 25-jähriges. Diese Feierlichkeiten wurde zum Anlass genommen, um verdiente Personen aus der Sektion zu Ehren.

 

So wurde die aufopfernde Lisi Lindorfer, welche das Herz und die Seele der Hellmonsödter Judo-Sektion ist, Bianca Rechberger und Ernst Hofer von ÖJV-Vizepräsident Hans-Peter Zopf mit einem Dan-Grad geehrt. Isabella Kitzmüller wurde für ihre jahrzehntelange Kassierstätigkeit geehrt.

 

Einen besseren und würdigeren Rahmen hätte es dafür nicht gegeben. Danke für das viele Herzblut, welches auch in die tolle Veranstaltung geflossen ist!


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