06. May

Das, was bleibt

Mit jenem von Karl Pirngruber (60) hat ein großes Judo-Herz vergangene Woche zu schlagen aufgehört. Ein Nachruf.

Allzu rasch färbt Stimmung des Moments die Wahrnehmung des Ganzen. Doch das Ganze war viel mehr. Darum lasst uns daran gemeinsam denken. Daran erinnern.

 

Der Verfasser dieser Zeilen war noch Teenager – also lang ist‘s her – als er den Charly zu einer Sitzung des Sportvereins Gramastetten begleitete. Worum es dort genau ging, ist mir weniger gewiss, als jener Moment, als Charly vom Vize-Bürgermeister zum Rednerpult gebeten wurde: „… und jetzt ein regelrechter Star unter den Sektionsleitern: der Pirngruber Charly!“

 

Es war das Wort „Star“, dass mir hängen geblieben ist. Weil diese Titulierung war mir fürn Charly bis dahin nie in den Sinn gekommen. Sie passte schlicht nicht.

 

Warum, das ist nicht einfach zu erklären. Am ehesten trifft es jene Management-Metapher, die den Unterschied zwischen einem Chef und einem Anführer illustriert. Kennt ihr die, auf denen die Arbeiter einen schweren Stein ziehen? Der Unterschied: Der Chef sitzt auf dem Stein und knallt die Peitsche, der Anführer stattdessen steht ganz vorne und zieht selbst mit. Das Zweite war Charly, wobei er nicht einmal ganz vorne stand, sondern mittendrin. Genau: Mittendrin. Das war er. Also alles andere als ein Star.

 

Das war schon so, als er vor knapp 42 Jahren als – wohlgemerkt – 18-jähriger Grüngurt die Judo-Sektion Gramastetten gegründet hat. „Wir waren ein paar Burschen, die einfach Judo trainieren wollten“, hatte er das damals hemdsärmelig und „gradaus“ – weil so war er – begründet. Dass andere damals meinten, er solle zuerst lieber einmal selbst richtig Judo lernen, quittierte er mit einem Schmunzeln.

 

Es war diese Scheiß-mir-nix-Mentalität gepaart mit seinem schier unbändigen Engagement, einem erstaunlichen Organisationstalent, einem Schuss visionärem Denken sowie der Fähigkeit, Menschen mitzureißen, was aus der anfangs winzigen Judo-Keimzelle Gramastetten einen Verein erwachsen ließ, der später zu Landesliga-Partien im 50-Sitzer-Reisebus fahren sollte. Ein Klub, der lebhafte Beziehungen nach Polen, Tschechien, Deutschland oder Italien pflegte. Dank des von ihm auf die Beine gestellten Vereinsfests, alias Gererfestl, brauchten sich die Scharen an Nachwuchskämpfer, respektive deren Eltern, auch keinerlei Sorgen über die Finanzierung der vielen Turnier- und Trainingslageraktivitäten machen.

 

Selbst für jemanden, der einen beträchtlichen Teil dieser Entwicklung hautnah miterlebt hat, wirkt es im Rückblick beinah irrwitzig, was dieser Mann alles aufgebaut hat. Und ja, es war er. Es stand und fiel mit ihm.

 

Somit verstand ich dann doch auch, warum ihn Sektionsleiter-Kollegen als „Star“ titulierten.

 

Sie waren sich bestimmt dieser Überzeichnung genauso bewusst gewesen. Schließlich hatte den Charly von vielen anderen abgehoben, dass es ihm wenig Bedürfnis war, ganz vorne zu stehen. Trotz aller Verdienste, seiner entscheidenden Position nahm er sich oft zurück, werkte lieber aus der Mitte des Vereins heraus. Dort, wo sich dieser Mann der Tat eben am wohlsten fühlte.

 

Charly Pirngruber hatte ein großes Herz für Judo, für die Gemeinschaft. Ich bin stolz darauf, dass ein so großartiger Mann mein erster Trainer war. Noch viel mehr bin ich dankbar, dass er mein Leben auf so viele Arten und Weisen bis heute geprägt hat. Und mit mir viele andere.


Lieber Charly, das ist, was von dir bleibt. Wir vergessen dich nicht.


Oder um es in deinen, bei jeder möglichen und auch unmöglichen Gelegenheit benutzten Worten zu sagen: "Samma wieda guat!"


Deine Judo-Familie

 

 

Die Urnenbeisetzung findet am Dienstag, 9. Mai um 14 Uhr in Gramastetten statt.

Die Angehörigen wünschen sich keine "schwarze" Trauerfeier, sprich: es ist farbige Kleidung erwünscht, in diesem besonderen Falle sogar Judo-Trainingsanzüge. Das Beten findet am Montag, 8.5. um 19.30 Uhr in Gramastetten statt.



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