13. Apr

Koteletts kennen keine Krise

Zwischen neu-entdeckter Dankbarkeit und lebenswichtiger Kundentreue: Wie Bundesligakämpfer Rainer Binder seine Fleischerei durch die Coronakrise manövriert. Das UJZ packt an:

Der Griller zählt wohl zu Rainer Binders liebsten Gebrauchsgegenständen.

 

Und dieser ist - dank des Wetters - zurzeit praktisch im Dauereinsatz. "Rinderfilets eingelegt in Rosmarinöl" habe es diesmal gegeben, wie der bald 30-Jährige verrät. Ein Filet sei nämlich bei ihm im Verkauf übrig geblieben, weshalb er es selbst verbrauchen "musste". Das allgemeine Mitleid mit ihm wird sich in Grenzen halten...

 

Wie auch immer. Griller sind es in gewisser Hinsicht auch, die derzeit den Arbeitsalltag des Hofkirchner Fleischhauers prägen. Verordnete Heim-Isolation, geschlossene Gastronomie in Kombination mit dem eingangs erwähnten Traumwetter führten nämlich zu einer gestiegenen Nachfrage nach gutem Grillfleisch. Der Gang zum örtlichen Qualitätsfleischhauer liegt da nicht nur auf der Hand, sondern auch nahe. 


Rainer mit seiner eisernen "Herta"

Und gerade in Corona-Zeiten wissen die Kunden, was sie an der Fleischerei Binder haben. "Im Verkauf zu arbeiten, ist jetzt ein Traum, weil die Leute alle super dankbar sind", berichtet Rainer.

 

Selbst bei einem örtlichen Balkon-Konzert in Hofkirchen habe es eine Danksagung an ihn und andere Horkirchner Kleinversorger gegeben.

 

Mit Papa und "Herta" gut aufgestellt

In der Verarbeitung hat sich wegen der davor schon hohen Hygiene-Richtlinien (Rainer: "Zwei Stunden pro Tag wird geputzt.") fast nichts geändert. Und im Vertrieb scheint seine Fleischerei für die Corona-Krise gut aufgestellt zu sein. Denn bereits vor einigen Jahren hatte Rainer die Idee für einen Fleisch-Automaten zur Selbstbedienung.

 

Die von den örtlichen Pensionisten liebevoll getaufte "Herta" steht seither vor dem Geschäftseingang. "Vom 12- bis rauf zum 80-Jährigen - da kaufen alle Altersschichten ein", muss Rainer ein- bis zweimal pro Tag das Sortiment auffüllen.

 

Außerdem beliefern seit gut 25 Jahren eigens engagierte Fahrer die Kunden frei Haus. Eine Strategie, die perfekt zu den Social-Distancing-Vorgaben passt. "Die Fahrer machen gerade einen Riesen-Job", lobt Rainer. Da einer von ihnen nach einem Thailand-Urlaub erst sicherheitshalber in Quarantäne musste, ist Rainers Vater Wolfgang eingesprungen. Von ihm hat Rainer die Fleischerei vor etwa fünf Jahren übernommen. 

 

Seither ist die Corona-Krise die bisher härteste Prüfung für seinen Betrieb, der mit zehn Angestellten und circa fünf Tonnen verarbeiteten Fleisch pro Woche zu den kleineren Fleischereien zählt. "Der Großhandel und die Gastronomie fallen als Abnehmer momentan komplett weg. Da sind etwa 70 Prozent unseres Geschäfts", schildert Rainer, der seine regionalen Produkte sonst bis nach Tirol und Wien verkauft. Allerdings ist der sogenannte Detailverkauf - also der Absatz an Einzelkunden aus der Gegend - angestiegen. "Die Kundentreue rettet uns den Arsch", bringt es Rainer auf den Punkt.

 

Über etwa 2000 Quadratmeter Betriebsfläche erstreckt sich die Fleischerei Binder.

Ernsthafte Sorge brauche man sich nicht machen. "Wir überstehen Corona - weil Unkraut vergeht nicht." Koteletts kennen halt keine Krise.

 

Eigener Kraftraum

Um in seinen 70- bis 80-Stundenwochen den Kopf wieder freizubekomen, lässt Rainer seinen Dampf für gewöhnlich im UJZ-Training ab. Da das jetzt nicht geht, schuftet der 42-fache Bundesligakämpfer täglich in seinem daheim eingerichteten Kraftraum.

 

"Nicht nur das Judo geht mir ab, sondern auch die ganzen Leute im Verein." Ein paar hat er in den letzten Wochen aber sogar sehen können, da einige zum Fleischkaufen zu ihm nach Hofkirchen gefahren sind. Sogar die beiden Willnauer-Brüder Alex und Mathias von Dynamic waren darunter.

 

Rainer: "Es taugt mir voll, wie die Judo-Familie zusammenhält. Das ist nicht selbstverständlich."

 

Mit der Artikelreihe „Das UJZ packt an“ möchte der Verein jene Mitglieder in den Fokus rücken, die in dieser außergewöhnlichen Zeit das gesellschaftliche Leben mit ihrer (beruflichen) Tätigkeit am Laufen halten. Danke für euren Einsatz!


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