07. Apr

"Meine Parteien liegen mir am Herzen"

An 1350 Adressen stellt Gerti Ginterseder täglich die Post zu – davon kann sich auch die Corona-Gefahr nicht abhalten. Das UJZ packt an:

„Es ist fast ein wenig unheimlich“, sagt Gerti Ginterseder schmunzelnd.

 

Zwar ist es die Gramastettnerin gewohnt, bei ihrem Dienstantritt früh morgens nicht allzu viele Leute anzutreffen, doch seit den Ausgangsbeschränkungen fühlt sich das UJZ-Vorstandsmitglied gelegentlich an das Intro zweitklassiger Hollywoodstreifen erinnert.

 

„Spätestens um halb acht, acht ist in der Stadt für gewöhnlich ja schon sehr viel los – aber jetzt: fast keine Autos, fast niemand ist unterwegs“, schildert die Postbotin, die seit mehr als 20 Jahren ihre Runden im Linzer Kaplanhofviertel dreht. Einzig Polizisten treffe sie gelegentlich an. „Die grüßen jetzt alle auf einmal“, meint Gerti, dass in der Landeshauptstadt mit einem Mal Dorfgepflogenheiten Einzug gehalten haben. Den Bus zur Arbeit habe sie regelmäßig für sich alleine.

 

Mit Dutzenden Kugelschreibern "bewaffnet"

Gerade in Zeiten von Social Distancing ist die systemrelevante Rolle der Post praktisch unübersehbar. 1350 Adressen beliefert alleine Gerti täglich: "Meine Parteien liegen mir sehr am Herzen." Der Aufwand dabei ist gestiegen. Einerseits weil die Privat-Agentur Feibra (stellen unter anderem die Tips und Rundschau zu) ihren Dienst einstellen musste, da die oft aus Tschechien stammenden Auslieferer nicht mehr berufspendeln dürfen. „Deren Aufgaben übernehmen jetzt auch wir“, so Gerti, die deswegen früher – also bereits um 5 Uhr – anfängt.


Gerti Ginterseder bei ihrer Tour kurz nach Sonnenaufgang

Andererseits weil die gestiegenen Hygienemaßnahmen zeichnungspflichtige Zustellungen erschweren. „Wir überstellen jetzt kontaktlos.“ Dass das etwa bei der Auslieferung der Rente nicht immer einfach ist, versteht sich von selbst. Skurril: Um etwa die mögliche Übertragung von Viren über Kugelschreiber zu vermeiden, hat Gerti gleich mehrere Dutzend Stifte mit.

 

Auf Nummer sicher

Zusätzlich zur vorgeschriebenen Kontaktlosigkeit hat sich Gerti bereits in Eigeninitiative nach weiteren Schutzmaßnahmen wie einer Gesichtsmaske organisiert. Dabei geht es auch um den Schutz der Mitmenschen.

 

„Ich hatte selbst vor kurzem mit Halsweh und Schnupfen zu kämpfen“, verrät Gerti. Um kein Risiko einzugehen, ging sie flugs zum Hausarzt, der sie in den nächstgelegenen Corona-Drive-in nach Aschach schickte. Eine der extra eingerichteten Stellen, in welcher Verdachtsfälle in ihren Privat-Autos (darum Drive-in) auf Corona untersucht werden. „Erst vorhin habe ich die Nachricht erhalten, dass es kein Corona ist“, fühlt sich Gerti in ihrer Annahme bestätigt.

 

Doch tut es gut, auf Nummer sicher gegangen zu sein. Gerti: „Mit einer laufenden Nase nur in einen öffentlichen Bus zu steigen, ist momentan ja schon richtig unangenehm.“ Selbst wenn man den Bus praktisch für sich alleine hat. Bleibt zu hoffen, dass sich das in absehbarer Zeit wieder ändert.

 

Mit der Artikelreihe „Das UJZ packt an“ möchte der Verein jene Mitglieder in den Fokus riücken, die in dieser außergewöhnlichen Zeit das gesellschaftliche Leben mit ihrer (beruflichen) Tätigkeit am Laufen halten. Danke für euren Einsatz!


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