30. Nov

Ein "Mattendiebstahl" feiert 40 Jahre Jubiläum

Wie ein 18-jähriger Grüngurt und "Pfeif-mir-nix" vor 40 Jahren die Sektion Gramastetten aus der Taufe hob.

Ein ganzer Kasten ist voll davon: Fotos, Plakate der dutzenden Gererfestln und unzählige Souvenirs von Turnieren oder Trainingslagern.

 

"Bis ganz runter komme ich beim Durchwühlen nie", sagt Karl Pirngruber wohlwissend, dass er bei jedem Anlauf früher oder später bei irgendeinem Andenken hängen geblieben ist. Seine Stimme ist dabei so nostalgisch wie die Schätze selbst.

 

Wie viele es wohl sind? So viele wie sich in 40 Jahren eben ansammeln.


Hans Holzinger (links) zählte zu jenen, die anfangs hin- und hergerissen waren, ob sie nun bei Passage Linz oder Gramastetten trainieren sollen

So lange steht der 58-Jährige der Sektion in Gramastetten nun schon vor, die er einst selbst aus der Taufe hob. Wobei es "Taufe" nicht trifft, denn am Anfang stand ein "Mattendiebstahl", der zum Gründungsmythos wurde:

 

"Im Winter von 1980 auf '81 muss es gewesen sein", erinnert sich Pirngruber. Er selbst war damals gerade einmal 18, machte seit ein paar Jahren erst Judo in Lichtenberg. "Der Klub hat ASKÖ Jugendheim Lichtenberg geheißen", schildert er. Das mit dem Spätherbst weiß er deswegen noch so genau, weil es kalt war. Wegen Umbauarbeiten am Gewerkschaftsheim Lichtenberg, in dem die Judoka trainierten, war die Heizung abgedreht worden, gab es kein warmes Wasser. Den Trainingsbetrieb beeinträchtigte das schwer.

 

Nach einer kurzen Rückfrage bei der Gemeinde Gramastetten brachte man die Matten deshalb kurzerhand nach Gramastetten, um dort eben wieder im Warmen trainieren zu können. Kein Gedanke war an eine Sektions- oder Vereinsgründung verschwendet worden, so Pirngruber. "Wir waren junge Burschen, die Judo trainieren wollten. Mehr nicht." Dementsprechend hatte man die Matten "guten Glaubens" genommen. "Ohne zu fragen."

 

Das hatte alsbald ein Nachspiel. Die Verantwortlichen des ASKÖ Jugendheim sich, die gerade im Begriff waren, mit ASKÖ Judo Linz - damals noch Passage Linz - zu fusionieren. "Wir müssen die Matten auf der Stelle zurückbringen, sonst werden wir geklagt", erinnert sich Pirngruber, dem nichts anders übrig blieb, als die Tatami wieder zu retournieren.

 

Die Reaktion des ASKÖ-Vereins war für ihn damals unverständlich überzogen. Mittlerweile sieht er sich aber selbst als klein wenig naiv, war im doch das Spannungsfeld zwischen dem roten ASKÖ und der schwarzen Gemeinde Gramastetten erst später bewusst geworden. "Vielleicht war ihnen Gramastetten auch schon zu nahe am UJZ Mühlviertel gelegen", mutmaßt "Charly" heute.

 

Gramastettner Prügelknaben

Um die erste eigene 6x6-Meter-Mattenfläche zu finanzieren, wurde ein Vereinsfest in der Maschinenhalle von Metallbau Madlmayr organisiert, aus dem sich später das Gererfestl entwickeln sollte. Letzteres stellte den neugegründeten Klub über mehr als ein Jahrzehnt auf solide finanzielle Beine.

 

Dass Pirngruber als gerade einmal 18-jähriger Grüngurt gleich einen ganzen Verein aus der Taufe hob, stieß mancherorts auf Kopfschütteln. "Der Trottel soll zuerst einmal selbst Judo lernen, haben einige gesagt", erzählt Pirngruber mit einem Schmunzeln. Um Judo-fachliche Defizite wettzumachen, hatte er in Oberösterreich lebenden japanischen Bildhauer und Judolehrer Makoto Miura einen wertvollen Unterstützer gefunden.

 

Da die anfangs zehnköpfige Trainingsgruppe die Herausforderung nicht scheute, erfolgte Mitte der 80er-Jahre der Einstieg in die Landesliga. Pirngruber: "Wir haben nur Prügel bezogen." Die Partien gingen sogar so klar verloren, dass sich die Kronenzeitung meldete, um einen Artikel über die Prügelknaben Oberösterreichs zu machen. Obwohl ihm die Tendenz des Zeitungsberichts vorab klar war, nahm Pirngruber das Interview dennoch an, "weil es keine Schande war, zu verlieren. Außerdem hätte uns er Journalist ganz bestimmt zerrissen, wenn ich nicht mit ihm geredet hätte." Vom letztendlich erschienenen Artikel ist Pirngruber in Erinnerung geblieben, dass er sich nicht darüber geärgert hatte.

 

Goldene Zeit

In den 90ern änderten sich Pirngrubers Ansprüche: "Wir wollten richtig durchstarten." Auch auf Betreiben von Günther Kepplinger, der den sportlichen Betrieb stemmte, hörte Pirngruber als Fernfahrer auf, konnte sich somit wieder mehr in den Verein einbringen. 

 

Im Nachwuchs holte Harald Zach die ersten Landesmeistertitel für den Klub, später zeichnete der Verfasser dieser Zeilen für den ersten Österreichischen Nachwuchs-Meistertitel für den Klub verantwortlich. Dieser hieß mittlerweile aber nicht mehr SV Gramastetten sondern Judofreunde Rodltal, weil er bereits Sektionen in Walding, Ottensheim, Geng, Lichtenberg und Oberneukirchen betrieb. Die Landesliga-Prügelknaben von einst marschierten durch die unteren Landesliga-Klassen und stiegen als ungeschlagener Landesliga-B-Meister in die Landesliga A auf. Auswärtsfahrten wurden meist im 50er-Bus und mit reichlich Fan-Anhang bestritten.

Helmut Mair (rechts) wurde zur treibenden Kraft in der Sektion Ottensheim

Kurzum: Es war die goldene Zeit des Gramastettner Judo-Vereins.

 

Ein Zerwürfnis mit einem Vereins-Chef sollte zum Wendepunkt werden. Entwicklungen nahmen ihren Lauf, die letztlich in die Eingliederung in das UJZ Mühlviertel 2005 mündete. Die Sektionen Lichtenberg und Ottensheim gingen diesen Schritt mit. Jene in Geng entschloss sich wenig später, es auf eigene Faust zu probieren. 

 

Heute versucht Michael Makula als Nachwuchstrainer dem Stützpunkt in Gramastetten neues Leben einzuhauchen. "Er ist der Richtige dafür", sagt Pirngruber mit der Erfahrung von 40 Jahren als Sektionsleiter.

 

40 Jahre sind eine lange Zeit. Eine Zeit mit vielen Würfen, Kämpfen auf und abseits der Matte, sowie vielen Erinnerungen. Wie viele das sind, weiß wohl nur Charlys Kasten.


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